Für Unter­neh­men sind gesunde, leis­tungs­fä­hige und vor allem moti­vierte Mit­ar­bei­ter der ent­schei­dende Erfolgs­fak­tor, denn gesunde Mit­ar­bei­ter = gesun­des Unter­neh­men. In die­sem Zusam­men­hang gewinnt betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment, kurz BGM, immer mehr an Bedeu­tung. Aber was defi­niert betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment? Wel­che Ziele ver­folgt es, wel­che Maß­nah­men gilt es umzu­set­zen und warum ist es so wich­tig? Wir fas­sen die wich­tigs­ten Fak­ten rund um das Thema BGM zusam­men.

Inhalt:

  1. Was steckt hin­ter BGM?
  2. Wel­che Ziele ver­folgt betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment?
  3. Ver­hält­nis- vs. Ver­hal­tensprä­ven­tion – Wel­che Maß­nah­men gibt es?
  4. Warum ist betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment so wich­tig?

Was steckt hinter BGM?

Im Zen­trum des betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ments steht die Gesund­heit der Mit­ar­bei­ter. Aber was bedeu­tet der Begriff „Gesund­heit“ eigent­lich? Gesund­heit wird von der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) einer­seits als „Zustand des voll­kom­me­nen kör­per­li­chen, sozia­len und geistigen/seelischen Wohl­be­fin­dens und nicht nur als das Frei­sein von Krank­heit und Gebrech“ beschrie­ben. Ande­rer­seits aber auch als ein „mensch­li­ches Grund­recht“. Der Sozio­loge Tal­cott Par­sons hin­ge­gen sah Gesund­heit als funk­tio­nale Vor­aus­set­zung von Gesell­schaft an und beschreibt diese als „einen Zustand opti­ma­ler Leis­tungs­fä­hig­keit eines Indi­vi­du­ums, für die wirk­same Erfül­lung der Rol­len und Auf­ga­ben, für die es sozia­li­siert wor­den ist.“ Kli­nisch wird der Begriff als „Abwe­sen­heit von Krank­heit“ ver­stan­den. In der gesell­schaft­li­chen Ethik ist Gesund­heit dage­gen stark mit dem Begriff des Glücks ver­knüpft.

Dar­über hin­aus fin­det man viele wei­tere Defi­ni­tio­nen, denn der Gesund­heits­be­griff ist ein viel­schich­ti­ger Begriff, der je nach wis­sen­schaft­li­cher Dis­zi­plin unter­schied­lich ver­stan­den wer­den kann. Unab­hän­gig vom Bedeu­tungs­kon­text ist Gesund­heit vor allem ein sub­jek­tiv emp­fun­de­ner Zustand, in Abhän­gig­keit von Alter, Geschlecht, Bil­dung und kul­tu­rel­lem Hin­ter­grund.

Dem Gesund­heits­be­griff steht der Krank­heits­be­griff gegen­über. Krank­heit wie­derum ver­steht man als einen Zustand ver­min­der­ter Leis­tungs­fä­hig­keit, der auf Funk­ti­ons­stö­run­gen ein­zel­ner Teile oder des gesam­ten Orga­nis­mus zurück­zu­füh­ren ist. Das betrieb­li­che Gesund­heits­ma­nage­ment möchte Krank­heit ver­hin­dern und Gesund­heit för­dern. Des­we­gen wer­den im BGM alle Akti­vi­tä­ten zur Erhal­tung und För­de­rung von Gesund­heit inte­griert. BGM betrach­tet die Gesund­heit der Beschäf­tig­ten als stra­te­gi­schen Fak­tor, der sowohl Ein­fluss auf die Leis­tungs­fä­hig­keit, die Kul­tur und das Image der jewei­li­gen Orga­ni­sa­tion hat.

Zusam­men­ge­fasst bezeich­net man als betrieb­li­ches Gesund­heits­ma­nage­ment die bewusste Steue­rung und Inte­gra­tion aller betrieb­li­chen Pro­zesse mit dem Ziel, die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den der Beschäf­tig­ten zu erhal­ten und zu för­dern. Dabei umschließt es Arbeits- und Gesund­heits­schutz, betrieb­li­ches Ein­glie­de­rungs­ma­nage­ment und betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung (BGF). Als wich­ti­ger Bau­stein des betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment trägt die betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung zu ziel­ge­rich­te­ten Maß­nah­men in den Berei­chen Bewe­gung, Ernäh­rung, psy­chi­sche Gesund­heit und Sucht bei.

Welche Ziele verfolgt betriebliches Gesundheitsmanagement?

Ziele des BGM sind dem­nach, die Belas­tun­gen der Beschäf­tig­ten zu opti­mie­ren und die per­sön­li­chen Res­sour­cen zu stär­ken. Durch die Schaf­fung guter Arbeits­be­din­gun­gen am Arbeits­platz wird auf der einen Seite die Gesund­heit und Moti­va­tion der Mit­ar­bei­ter nach­hal­tig geför­dert, auf der ande­ren Seite wird die Arbeits­zu­frie­den­heit gestei­gert, die Mit­ar­bei­ter­loya­li­tät erhöht und die Fluk­tua­tion ver­rin­gert.

Zusätz­lich erhöht sich die Pro­duk­ti­vi­tät und Arbeits­ef­fi­zi­enz wäh­rend gleich­zei­tig phy­si­sche und psy­chi­sche Belas­tun­gen redu­ziert und Beschwer­den und Erkran­kun­gen vor­ge­beugt wer­den. BGM Maß­nah­men füh­ren außer­dem zu einer Sen­kung des Kran­ken­stan­des, denn laut dem BKK Dach­ver­band e.V. kön­nen 26 % aller Fehl­zei­ten mit Hilfe von betrieb­li­chem Gesund­heits­ma­nage­ment redu­ziert wer­den. Ins­ge­samt tra­gen BGM Maß­nah­men zu einer Ver­bes­se­rung des Unter­neh­men­si­mages und somit zu einer Ver­bes­se­rung der Beschäf­ti­gungs­at­trak­ti­vi­tät bei.

Verhältnis- vs. Verhaltensprävention – Welche Maßnahmen gibt es?

Es gibt eine Viel­zahl von Maß­nah­men und Mög­lich­kei­ten zur Ver­bes­se­rung der inner­be­trieb­li­chen Gesund­heit. Unter­schie­den wird in Maß­nah­men der Ver­hal­tens- und Ver­hält­nis­prä­ven­tion.

Vor­keh­run­gen zur Ver­hal­tensprä­ven­tion zie­len in ers­ter Linie dar­auf ab, das Gesund­heits­ver­hal­ten aller Mit­ar­bei­ter posi­tiv zu beein­flus­sen und Impulse zur per­sön­li­chen Gesund­heits­för­de­rung zu geben, z. B. mit Hilfe von Kur­sen, Schu­lun­gen und Ein­zel­be­ra­tun­gen. Ver­hält­nis­prä­ven­tive Hand­lungs­an­wei­sun­gen die­nen dazu, das Umfeld der Beschäf­tig­ten mög­lichst gesund­heits­för­der­lich und belas­tungs­arm zu gestal­ten. Eine Kom­bi­na­tion aus bei­den Ansät­zen bie­tet die bes­ten Chan­cen für posi­tive Ver­än­de­run­gen im Unter­neh­men.

Bei­spiele für Ver­hal­tensprä­ven­tive BGM-Maß­nah­men kön­nen z. B. fol­gende sein:

  • Betriebs­sport­grup­pen
  • Betrieb­lich orga­ni­sierte Gesund­heits­tage
  • Sport­events / Wett­kämpfe etc.
  • Fir­men­fit­ness-Pro­gramme (z. B.: Ent­span­nungs­kurse, Busi­nes­syoga etc.)
  • Semi­nare, Work­shops und Coa­ching für BGM
  • Umgang mit Stress, Bur­nout-Pro­phy­laxe, Gesunde Ernäh­rung am Arbeits­platz, Gesund in der Schicht­ar­beit, Work-Life-Balance etc.

Zu den Maß­nah­men der Ver­hält­nis­prä­ven­tion zäh­len u.a.:

  • Gesun­des Kan­ti­nen­es­sen, Obst­korb & kos­ten­lose Getränke
  • Eine gesund­heits­för­der­li­che Feed­back­kul­tur, die zu einem ange­neh­men Betriebs­klima bei­trägt
  • Regel­mä­ßige Über­prü­fung der Arbeits­platz­ergo­no­mie
  • Gesund­heits­be­wuss­ter Umgang mit Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­dien
  • Betriebs­arzt und betrieb­li­che Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen
  • Ruhe­raum zum Ent­span­nen
  • Fle­xi­ble Arbeits­zei­ten (z. B. Gleit­zeit, Home­of­fice etc.)

BGM-Maß­nah­men die­nen nicht nur der Vor­beu­gung bzw. dem Abbau von gesund­heit­li­chen Risi­ko­fak­to­ren, son­dern auch der För­de­rung und Stär­kung von gesund­heit­li­chen Schutz­fak­to­ren. BGM kann dann erfolg­reich funk­tio­nie­ren, wenn die jewei­li­gen Maß­nah­men der Ver­hält­nis- und Ver­hal­tensprä­ven­tion kon­zep­tio­nell auf­ein­an­der abge­stimmt und sys­te­ma­tisch durch­ge­führt wer­den.

Warum ist betriebliches Gesundheitsmanagement so wichtig?

Wir leben im Jahr 2019, in einer Welt des stän­di­gen Wan­dels. Den klas­si­schen „Nine-to-five“ Job gibt es nicht mehr. Das bedeu­tet, dass die Gren­zen zwi­schen Arbeit und Pri­vat­le­ben immer mehr ver­wi­schen. Erhöhte und vor allem andere Anfor­de­run­gen an die Beschäf­tig­ten füh­ren zu gesund­heit­li­chen Risi­ko­fak­to­ren. Auf dem Vor­marsch sind vor allem Mus­kel-Ske­lett-Erkran­kun­gen im Bereich des Rückens, chro­ni­sche Erkran­kun­gen wie Dia­be­tes und Herz­krank­hei­ten oder psy­chi­sche Erkran­kun­gen wie z. B. Burn-out. Durch gesund­heits­för­der­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und der Befä­hi­gung zu gesund­heits­för­der­li­chem Ver­hal­ten kön­nen viele die­ser Risi­ken posi­tiv beein­flusst wer­den. Die Effekte des BGM gehen über die Prä­ven­tion von Krank­hei­ten hin­aus, denn zufrie­dene und gesunde Mit­ar­bei­ter tra­gen maß­geb­lich zu einer höhe­ren Pro­duk­ti­vi­tät bei.

Zudem wird laut einer Umfrage unter jun­gen Erwerbs­tä­ti­gen die Bedeu­tung von Infor­ma­tio­nen und Bera­tung zur Gesund­heit am Arbeits­platz immer wich­ti­ger:

Statistik zur Bedeutung von Information und Beratung am Arbeitsplatz

Quelle: Sta­tista 2019

Ganze 77,6 % der Befrag­ten wei­sen dem Thema Gesund­heit am Arbeits­platz eine eher wich­tige bis sehr wich­tige Rolle zu. Gene­rell soll­ten Unter­neh­men Inter­esse an BGM-Maß­nah­men zei­gen, denn „Arbeit ist das halbe Leben“ sagt ein Sprich­wort und die sollte auf Dauer nicht krank machen.